Sonntag, 27. April 2014

Der Versuch der Frauenoptimierung



Wir Frauen tanzen einfach auf allen Hochzeiten. Wir wollen schön sein, begehrenswert- darum scheuen wir uns nicht, viel Aufwand auf uns zu nehmen, um den gesellschaftlichen Statuten der Schönheit gerecht zu werden. 

Wir gehen zur Kosmetik und kaufen allerlei Feuchtigkeitscremes. Wir benutzen viel und häufig Deo und obendrauf Parfüm, damit wir wie ein Blumengarten duften. Die Produktpallette unserer Haarpflege nimmt den halben Stauraum im Bad ein. Ein Mittelchen gegen vermeintlichen Spliss, unterschiedlich duftenden Shampoos, Pflegekuren, Tönungen oder Haarfärbemittel- dies und jenes.

Die Augenbrauen in Form gezupft und mit Augenbrauenstift korrigiert, denn absolute Symmetrie gibt es nur bei den wenigsten. Und getuschte Wimpern, damit sie schön „klimpern“.

Wir gehen regelmäßig zum Friseur, denn schließlich sind wir ja wer. Der neuste Schnitt muss her. Zu jedem neuen Ich, braucht es das dementsprechende Zubehör. Also gehen wir in einen Modeschmuckladen und kaufen uns neue Haarreifen, Spangen oder anderen Schmuck. 

Unsere Hände sollen zupacken können aber Man(n) darf nicht sehen, wie wir sie beanspruchen. Wir cremen sie dick ein und lassen das Ganze in Baumwollhandschuhen einwirken. Frauenfingernägel- optisch tadellos und in Form und Farbe abgestimmt. Nachgeholfen wird der Natur mit falschen Kunstnägeln. Sie verlängern den Finger und symbolisieren so dem Mann „Fruchtbarkeit“.

Von Frauen wird erwartet, das sie absolute „Genussmenschen“ sind, aber dennoch ihre schlanke Linie in allen Lebenslagen behalten. Ein Kind gebären und schnell wieder so ein, wie Frau vorher war. Sind Abweichungen da akzeptiert?

Wir nehmen zu, wenn wir frustriert sind, und nehmen wieder ab, wenn wir mehr Sport treiben.
Wir sollen zu jedem Anlass wie aus dem Ei gepellt aussehen. In Arbeitssachen, wie auch im Cocktailkleid den Raum, den wir betreten, zum Leuchten bringen. 

Und Haare? Die sind laut gesellschaftlicher Mehrheit nur auf dem Kopf erlaubt. Also rasieren wir uns ständig die Beine oder gehen zum schmerzhaften Wachsen. Erfahrungen mit Enthaarungscremes hat wohl jede Frau schon einmal gemacht. Das leidige und endlose Thema mit den Haaren an vermeintlich falschen Stellen. Als würden da draußen nur mit Haaren zugewucherte Menschen herumlaufen? 

Und das Lächeln reicht allein nicht. Lächeln darf nur, wessen Zähne in Kaltweiß mit den Halogenröhren um die Wette strahlen. Also ab zum bleachen und schon ist der Zahnschmelz zwar weniger, aber dafür die Zähne umso weißer. 

Das Verhalten einer Frau, sollte natürlich immer angepasst sein. Zuckersüß beim Freund und bloß kein falsches Wort, sonst gilt Frau gleich als eigensinnig und kompliziert. Ist eine Frau „schnell zu haben“ ist sie laut Ansicht von Männern, die Frau unter „Ablage: Idiot“ abheftet, eine Schlampe, die schnell zu kriegen war. Lässt Frau sich hingegen Zeit, dann ist sie eine „prüde Schlampe“. Eine Frau soll stets wild und leidenschaftlich in Sachen Affäre oder Beziehung sein aber ohne den Eindruck zu vermitteln, so jemals bei jemanden anderen gewesen zu sein. 

Frauen sollen im Beruf Kompetenz ausstrahlen und bei der Erziehung ihrer Kinder niemals überfordert sein.

Eine Frau ist fürsorglich und soll trotzdem viel Freiraum geben. Eine Frau hält eine Gemeinschaft zusammen und trotzdem wird sie zusehens mehr zum „Egoismus“ erzogen. Evolutionstechnisch ein Tiefschlag. 

Eine echte Frau sollte im Grunde genau eins tun: darauf pfeifen! Auf alles. 

Wir müssen uns von den Massenmedien nicht einreden lassen, dass wir nicht genug sind. Wir sind einfach fabelhaft. Punkt. Und an dem Rest arbeiten wir noch. 

Sinn von all dem ganzen „unter- Druck- setzen“ ist, dass wir uns nicht wohl in unserer Haut fühlen sollen, um wie aufgescheuchte Hühner durch die Botanik zu laufen, und all diese Wässerchen und Cremes zu kaufen oder einfach jemand anderes zu sein, der wir nicht sind.

Für wen betreiben wir eigentlich diesen ganzen Aufwand? Für uns selbst? Ich weiß nicht. Zumindest nicht immer.

Das soll nicht bedeuten, dass Sie sich jetzt nie wieder die Haare waschen müssen, aber ein echter Mann wird morgens beim Aufwachen zu Ihnen hinübersehen und erkennen, dass er am liebsten jeden Tag neben Ihnen aufwachen möchte. Ungekünstelt, verschlafen und einfach echt. Und genau diesen Mann, liebe Damen, müssen Sie finden. 

Der Unterschied zwischen dem Richtigen und dem Falschen ist eigentlich nur einer: Es fühlt sich nicht nur „gut“ an, sondern verdammt richtig. Und genau dieses „VERDAMMT RICHTIG“ holt am Ende unsere tief verborgenen Talente zum Vorschein. Nur der oder die Richtige bringt uns dazu, ein besserer Mensch zu werden und an uns zu glauben. 

Und mit Unterstützung von diesem Mensch, geht es wie von Zauberhand plötzlich leichter. Zu Zwei findet man eben schneller eine Lösung auf Probleme, als allein. 

Und möglicherweise ist dies der beste Optimierungsansatz.

Herzlichst, Ihre Pia Kalm

Kommentare:

  1. Frauen sehen eh am besten aus, wenn sie grad frisch erwacht sind und neben einem im Bett liegen, außer sie haben am Vorabend tonnenweise Schminke genutzt und sie nicht entfernt ;-)
    Aber Frauen wollen ja nich wie Schlafzimmer aussehen, lieber wie die dürre Tante da, auf dem Bild oder in der werbung :(

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  2. Wow, toller Post, tolles Statement. Und du hast absolut Recht - es muss dieses VERDAMMT RICHTIG sein.
    - Casey

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