Sonntag, 11. Dezember 2016

Der alte geist des Butlers Teil 9

Ich war noch nie gut im „was erschaffen“,  aber im kaputt machen bin ich Weltklasse! Teil 9

Da saß ich nun auf den Treppen, die zu meiner Wohnung führten. ich hatte nicht nur meinen Job, sondern auch meine große Liebe verloren, weil ich einfach total Irre war, ich würde jetzt auch noch meine Wohnung verlieren, denn ich konnte die Miete jetzt ein drittes Mal nicht bezahlen, es war also nur eine Frage der Zeit, bis mich mein Vermieter rauswarf. Die Tränen liefen mir über die Wange. Ich hatte niemanden bei dem ich mit Kevin auch nur eine Nacht schlafen konnte, keine Familie, keine Freunde… Ich würde wohl mit Kevin ins Obdachlosenheim gehen müssen. Oder… War es nicht besser sie würde Kevin ins Heim gehen? In ein Frauenhaus konnte sie ja schließlich nicht, sie hatte ja keinen Mann der sie verprügeln konnte. Mein eigenes Schluchzen unterbrach meine Gedanken. Ich hatte Kevin zwar nicht unbedingt gewollt, aber jetzt konnte ich nicht mehr ohne meinen Sohn und der Gedanke ihn weggeben zu müssen, zerriss mein, ohnehin schon mehrfach gebrochenes Herz in zwei. Nun saß ich da, innerlich zerbrochen, total gebrochen und Irre, naja wohl doch nicht ganz Irre, denn Ernst hatte sich seit dem Abend nicht mehr hören lassen, wenigstens hatte ich nichts von ihm mitgekriegt, wenn er, wie immer unsichtbar, da gewesen wäre.

Die Hände vor meinem Gesicht waren mit Schnodder und Tränen bedeckt, im Bad war ich seit Tagen nicht und ich trug nur noch Jogginghosen und T-Shirts. So brachte ich auch Kevin zur Kita und holte ihn wieder ab. Zu Fuß, denn das Auto funktionierte nicht mehr, es war als hätte Ernst es am Leben gehalten und als ich ihn anschrie zu verschwinden, da war alles Leben aus ihm gewichen. Das schlimmste an meiner Situation war, dass ich Tag für Tag versuchte noch für die Zeit, bis zu der alles zusammenbrechen würde, eine heile Welt Vorzuggaukeln, aber selbst Kevin hatte natürlich Augen im Kopf und so wurde binnen einer Woche aus dem quietsch vergnügten kleinen Jungen, ein stiller, in sich gekehrter kleiner Mann.

Ich hörte von draußen Füße die über den Kiesweg näher zum Haus kamen, doch ich machte mir gar nicht die Mühe aufzustehen, meine Nachbarn wussten schließlich, dass ich am Ende war und ich würde ja nicht mehr lange ihre Nachbarin sein.  

Nun konnte man den schwarzen Umriss eines Mannes durch die Milchglastür des Hauses sehen, unsicher lief er vor der Tür hin und her, wollte schon wieder weggehen, lieg dann jedoch zurück und betätigte kurzentschlossen eine Klingel. Das bimmeln der Klingel tönte ungewöhnlich laut und schallte im ganzen Hausflur durch die geöffnete Wohnungstür hinter mir. Meine Wohnungstür. Ich blinzelte verwirrt und wischte mir die Tränen aus den Augen, stand langsam auf und bewegte mich zur Tür, traute mich aber nicht sie auf zu machen.

„Marie, mach´ bitte die Tür auf, ich will nur mit dir reden.“, hörte ich Johannes Stimme gedämpft von draußen. Voller Schock sprang ich nach hinten, meine Güte… Was machte er hier? Und woher wusste er, dass ich das war, ich konnte ihn ja auch nicht richtig erkennen?

Unsicher, drehte ich mich schon um ihn zu ignorieren und einfach in die Wohnung zu gehen. Doch dann, ganz plötzlich machte sich eine ganze Flutwelle voller Wut in mir breit. Erst ließ der Arsch sie gehen, hatte sie mit diesem widerlichen Blick bedacht, hatte sich so bescheuert verhalten, bei etwas, dass zu einem simplen Essen werden sollte und dann kam er jetzt auch noch um sie zu bedrängen? In meinem ganzen Leben hatte ich noch so viel Wut empfunden (zumindest bis zu diesem Augenblick, denn als Kevin den Schalter des Weihnachtsbaumhalters nur aus Spaß morgens löste und der ganze Weihnachtsbaum zur Seite kippte, aber das ist jetzt Fehl am Platz…Wo war ich ach ja…) Also riss ich die Tür auf, sah in Johannes überraschtes Gesicht und schrie ihm entgegen: „WAS HAST DU HIER ZU SUCHEN? IST ES NICHT SCHLIMM GENUG FÜR IRRE GEHALTEN ZU WERDEN? WILLST DU JETZT NOCH AUF MIR RUMHACKEN? VERPISS DICH VERDAMMT NOCH MAL!“ Ganz zu schweigen, davon, dass ich wahrscheinlich schon wieder rot wie eine Tomate und so sehr Keuchte, dass es sich wie das wiehern eines Pferdes anhörte.

Und genau in diesen endlosen Sekunden, in denen Johannes und ich uns einfach nur gegenseitig anstarrten und vor uns hin keuchten, beschloss ich den typischen Diva-Abgang zu wagen, ich machte auf meinem Absatz (den ich nicht hatte, weil ich selbst im Hausflur ständig Barfuß Rumlaufen, Nagelpilz Ahoi!) kehrt, und: Ich zitterte so sehr das ich den Schlüssel nicht ins Schloss bekam, zog dann an der Tür statt zu drücken und als ich dann endlich die Tür zu schmeißen wollte , viel mir erst auf, dass die Tür automatisch zuging und man sie deshalb nicht zuschmeißen konnte (wahrscheinlich eine natürliche Schutzmaßnahme, schließlich handelte es sich bei der besagten Tür um eine Glastür). Das alles hatte zufolge, das Johannes bereits in der Tür stand und mich noch bekloppter anstarrte als vorher. Doch ungewöhnlicher Weise, versuchte er gar nicht das Ganze zu kommentieren, er sagte nur: „Es tut mir leid, Marie.“, und machte dabei ein Gesicht, wie ein Hündchen, dem ich sein Bällchen verwehrte (das kann er wirklich gut), „Ich hätte mich nicht so benehmen sollen, hätte dir hinterherrennen sollen, als du gingst, es gibt keine Ausrede dafür, aber bitte lass mich, mich einfach nur erklären, und dann werden wir sehen ob du mich immer hasst, okay?“ Ich guckte ihn böse an, sagte aber nichts, denn tief im Innern, wollte ich hören was er zu sagen hatte, tief in meinem Innern liebte ich ihn noch immer und ich wusste, dass sich das niemals ändern würde.

„Als du mich angeschrien hast und meintest, du würdest einen Geist sehen, habe ich dich für Irre gehalten und es hat mir das Herz gebrochen. Ich liebe dich schon seit dem ich dich das erste Mal gesehen habe, als du so unsicher und zu später zum Bewerbungsgespräch kamst, da war es um mich geschehen, das ist jetzt zwei Jahre her und meine Liebe hat nicht aufgehört, nein, ob man es glauben will oder nicht, sie wurde von Tag zu Tag mehr, jeden Tag habe ich mehr Dinge gefunden die ich an dir liebe. An dem Abend dann sollte alles einfach nur perfekt werden, ich wollte dir alles Zeigen was ich nur zu bieten hatte, fuhr im Bentley vor, führte dich in das schickste Restaurant, dass ich kannte, in dem meine Mutter und mein Vater immer ihren Hochzeitstag gefeiert hatten. Und ich bekam kein Wort heraus, ich war so nervös, dass du mich doch nicht magst, dass einfach alles schief gelaufen ist, ich war auf der Straße ins Nirgendwo und habe mich verrannt, und ich war zu unsicher das ehrlich zuzugeben, wenn ich das ehrlich zugegeben hätte, dann wäre das alles nicht passiert, das weiß ich jetzt.

Aber… irgendwie bin ich doch auf eine Art froh, dass das alles so passiert ist, denn jetzt  weiß ich ganz genau, dass du eben nicht verrückt bist. Ich habe ihn nämlich gesehen.“

„Wen?“, unterbrach ich seine unglaublich lang, und insgeheim doch echt rührende Rede zum ersten Mal. „Na, Ernst.“, meinte Johannes mit gerunzelter Stirn, mit der er, wenn ich mich recht entsinne total niedlich aussah…Moment ich schweife ab, kommt öfter vor in letzter Zeit.

„Ich habe ihn noch nie gesehen.“, meinte ich verwirrt, „Nur gehört und gespürt, ein kalter Luftzug in meiner Nähe.“ „Du hast ihn nie gesehen? Warte, bin ich jetzt der verrückte?“, meinte Johannes panisch. Und da war es um mich geschehen, die Situation die, so hatte ich es am Anfang der ganzen Situation zum schlimmsten Streit hätte werden sollen, war einfach  nur Urkomisch, und in diesem Moment konnte ich nicht mehr an mich halten, sondern musste laut losprusten.

„Keine Sorge, mit verrückt sein kenne ich mich aus und du bist schon ganz schön irre, aber so irre nun auch wieder nicht. Außerdem kenne ich Ernst und der hat es faustdick hinter den Ohren.“, antwortete ich lachend. Er wirkte so hilflos, fast wie ein begossener Pudel, da musste ich ihn einfach in den Arm nehmen, ich spürte ein drücken in der Haut, ein kribbeln im ganzen Körper, noch nie zuvor hatte ich so etwas empfunden und als wir uns wieder voneinander lösten, waren sich unsere Gesichter so nah, dass kaum ein Blatt dazwischen gepasst hätte. Und dann war da nichts mehr zwischen uns nichts, dass uns trennte und nichts mehr das uns je wieder trennen würde, diese Erkenntnis schenkte uns einen Kuss der für uns beide unvergessen blieb und viel mehr, aber euch das zu erzählen wäre nicht ganz jugendfrei und wer weiß, wer das hier noch zu lesen bekommt, am Ende werden das in zwanzig Jahren meine Kinder lesen und zu mir kommen: „Also diese Szene wo du mit Papa im Treppenhaus Sex hast war voll geil, habe ich nachgemacht, richtig super…War die von meiner Zeugung?“(Oh Mist… jetzt habe ich zu viel verraten)

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