Samstag, 14. Januar 2017

Der alte geist des Butlers Teil 10

Hochzeitsglocken und Sarggeflüster Teil 10







Wie schön sie war, als sie allein langsam auf den jungen Mann zuging, der ihr vor Freude lächelnd entgegen sah. Sie trug ein schneeweißes Kleid, ohne Schleppe und einen Schleier der ihr nur Halb ins Gesicht reichte, darunter waren ihre rotgeschminkten Lippen zu sehen, die ihr, durch ihren blassen Teint, das Aussehen einer Lady aus der Renaissance verliehen, er sah das glänzen in ihren wunderschönen blauen Augen, und dachte ganz bei sich: „Das ist meine Kleine.“ Wie gern hätte er sie zum Altar geführt, hätte sie ihrem Johannes übergeben, in diesem Augenblick wurde er sich schrecklich bewusst, dass er kein Teil mehr war von der Welt der Lebenden.

Die Trauung fand draußen auf einer großen Wiese statt, die Stühle in Sitzbänke auf beiden Seiten aufgereiht, waren mit weißen Rosen geschmückt und im Mittelgag lag ein weißer Teppich mit goldenen Insignien. Weiße Rosen, dass waren Maries Lieblingsblumen. Die Gäste waren gleichmäßig auf alle reihen verteilt, so dass es nicht auffiel, dass die Braut keine Gäste geladen hatte, dass sie keine Familie besaß. Doch die Zeiten waren vorbei, dass das ihre Stimmung trüben könnte, denn jetzt hatte sie eine Familie, der Mann vor ihr war ihre Familie. Mit ihren Händen in denen von Johannes, sah sie hoch zum Pfarrer, welcher zu sprechen begann: „Wir haben uns hier versammelt…“ Dann drehten die beiden sich zu Kevin um, der die ganze Zeit dort brav stehen geblieben war und das Kissen mit den Ringen hochhielt, obwohl man an seinem Gesicht ablesen konnte, wie anstrengend es für ihn sein musste, das Kissen auch immer schön gerade zu halten: „Guter Junge.“, dachte er bei sich. Plötzlich war sein ganzer Körper erfüllt von diesem Glück, wie Sonnenstrahlen schienen sie auf seine Seele. Und dann sah er es, dann sah er sie, es sah so aus als käme sie aus der Mitte einer Sonne, einer Sonne mitten im Nirgendwo. „Das Licht.“, erkannte er. Alexandra strahlte ihn an, sie sah aus wie ein Engel und streckte ihre Hand nach mir aus, eine Hand die ich sofort ergriff, ich drehte mich zu Marie um, sah sie strahlen und wusste, dass meine Arbeit hier getan war.

„Gnä´Frau…“, hörte Marie ihn flüstern, dann ein kleine Böhe und er war verschwunden.

Epilog

Lächelnd rieb ich mir meinen, immer runder werdenden Bauch, manchmal wünschte ich mir Ernst könnte mich jetzt sehen. Wäre er jetzt stolz auf mich? Doch ich weiß, dass er an einem Ort ist, wo er glücklicher ist als je zu vor. Ein Jahr ist es jetzt her, als ich zum ersten Mal angefangen habe, diese Geschichte zu schreiben, seit dem ich spürte wie Ernst ins Licht gegangen war, und wirklich, bereue keine einzige Sekunde davon. Kevin ist jetzt vier, und ein wahnsinnig glücklicher und motivierter Junge, kurz nach der Hochzeit hatte Johannes beschlossen Kevin zu adoptieren und mit einem Vater war er aufgeblüht und Johannes war ein wundervoller Vater, er nahm sich immer Zeit für seinen Sohn. Und jetzt würde er auch noch Vater seines leiblichen Kindes werden…einem Mädchen. Lachend schlich er sich an mich ran und küsste mich auf die Wange. „Hast du sie zu Ende geschrieben?“, fragte er mit einem Lächeln.  „Die Geschichte des Lebens endet niemals.“, antwortete ich ihm grinsend und schenkte ihm einen zärtlichen Kuss.

ENDE

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